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Schiedsleute erreichen oft mehr als Anwälte

Werner Stark ist neuer Schiedsmann in Hambergen


Mit freundlicher Genehmigung der Anzeiger Verlags GmbH, 27711 Osterholz-Scharmbeck.
Artikel erschienen im Osterholzer Anzeiger vom 31. Mai 2009, Seite 3.

VON RALF ROSPEK
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Hambergen. Fritz Othersen und Jürgen Streckfuß sind seit 25 Jahren Schiedsmänner in der Samtgemeinde Hambergen. Dabei haben sie schon so manchen Blick in die Abgründe von Nachbarschaftsstreitigkeiten geworfen. Aber auch andere Fälle von Zank und Streit bis hin zu Handgreiflichkeiten hatten die beiden zu klären. Nun bekommt das Duo mit Werner Stark einen Nachfolger.

Schiedsleute sind ungemein wichtig. Gerade Bagatellfälle sind es, die die Justiz lähmen. So hilft jeder Streit, der vorab geklärt werden kann, den Gerichten sich um die wirklich wichtigen Fälle kümmern zu können. Und auch für die Streithähne ist der Schiedsmann eine wichtige Institution. So kann man sich nicht nur auf Augenhöhe einigen, sondern zudem auch noch viel Geld sparen.

"Es ist unbegreiflich, dass so viele Menschen sofort zum Anwalt rennen", sagt Inken Tittel, stellvertretende Direktorin des Amtsgerichtes Osterholz. Denn das ist nicht nur teuer. Oft werden auch Urteile gefällt, die keiner der beiden Parteien in irgendeiner Weise weiterhelfen. Das liegt daran, dass ein Gericht nur nach Gesetzen enscheiden kann und nur in einem ganz konkreten Fall. Gerade aber bei Nachbarschaftsstreitigkeiten "ist es gar nicht wirklich der Grillgeruch, der zum Streit führt", so Bürgermeister Bernd Lütjen in der kleinen Feierstunde. "Oftmals sitzt die wahre Ursache viel tiefer. Und da ist ein neutraler Schiedsmann, der als Unbeteiligter auf den Fall blickt, oft hilfreicher als ein Anwalt."

Jürgen Streckfuß erinnert sich an einen etwas skurrilen Fall. Vor einigen Jahren rief ihn ein Landwirt an, der neue Nachbarn bekommen hatte, die aus Süddeutschland zugezogen und "eher etwas künstlerisch" eingestellt waren. Jedenfalls liefen die Frauen dort gern auch unbekleidet durch den Garten, woran sich der Bauer störte. Streckfuß machte sich also auf den Weg und wunderte sich etwas. Das Haus der vermeintlichen "Sünder" war von einer hohen Hecke umgeben. "Da muss sich der Bauer schon Mühe gegeben haben, um einen Blick zu erhaschen", schmunzelt der scheidende Schiedsmann. Jedenfalls reichte ein kurzes Gespräch an der Haustür, um den Fall zu regeln. Wie so oft, hätte auch hier kein Streit enstehen müssen, wenn man gleich vernünftig miteinander geredet hätte.

Doch oftmals ist das schon gar nicht mehr möglich, wenn sich die gegenseitigen Vorwürfe udn die Emotionen schon so aufgeschaukelt haben. "Vor allem in Siedlungen, wo wenig Platz ist und man sich nicht aus dem Wege gehen kann, werden die Streitigkeiten immer mehr und auch immer grober", beobachtet Inken Tittel in ihrer täglichen berufspraxis.

Etwa sechs bis acht Fälle bekommt ein Schiedsmann pro Monat auf den Tisch. Allerdings kommt es nur in wenigen Fällen zu einer Verhandlung. Tatsächlich können die meisten Fälle "zwischen Tür und Angel" geklärt werden. Kosten für die Kontrahenten entstehen übrigens nur, wenn es tatsächlich zu einer Verhandlung kommt. Gut angelegte 30 Euro, wenn man bedenkt, was ein Prozess kostet.

Möglciherweise kommt auf die Schiedleute bald mehr Arbeit zu. Denn ein Gesetzentwurf sieht wor, bei Bagatellfällen zukünftig den Besuch beim Schiedsmann verpflichtend zu machen.

Der neue Schiedsmann in Hambergen, Werner Stark, freut sich auf seine Aufgabe. Er sitzt im Samtgemeinderat und war lange Zeit als Betriebsrat tätig und kennt sich daher mit Verhandlungen gut aus. Er wird nun von Fritz Othersen, der zunächst als Stellvertreter im Amt bleibt, langsam eingearbeitet.

Wer auf Hilfe der ehrenamtlich tätigen Schiedsleute zurückgreifen möchte, kann sich direkt mit Werner Stark, Telefon 04793 / 1692 oder Fritz Othersen, Telefon 04793 / 95247 in Verbindung setzen.

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