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Pressemitteilungen des Landgerichts Verden in der Zeit vom 30. Oktober bis 3. November 2017


Montag, den 30. Oktober 2017

Um 10:00 Uhr verhandelt die 5. kleine Strafkammer in der Berufungssache gegen Reinhard T. wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis. In erster Instanz war das Amtsgericht Walsrode mit der Sache befasst.

Um 11:00 Uhr beginnt vor der 5. kleinen Strafkammer die Hauptverhandlung gegen Sascha S. wegen Diebstahls. Die Berufung richtet sich gegen ein Urteil des Amtsgerichts Walsrode. Die Kammer hat einen Zeugen geladen.


Donnerstag, den 2. November 2017

Um 9:00 Uhr verhandelt die 5. kleine Strafkammer in der Berufungssache gegen Ingo S. wegen Betruges. Es geht um ein Urteil des Amtsgerichts Walsrode.

Um 10:00 Uhr beginnt vor der 1. großen Strafkammer - Schwurgericht - die Hauptverhandlung gegen Florjan F. (geboren 1994) und Paulin P. (geboren 1993), denen die Staatsanwaltschaft Mord aus niedrigen Beweggründen in heimtückischer Begehungsweise vorwirft.

Laut Anklage sollen die beiden Angeklagten am 9. Januar 2017 gegen 11:15 Uhr auf einem Motorrad auf der Großen Straße in Visselhövede dem später Getöteten Kutjim P., der dort als Fußgänger unterwegs gewesen sein soll, entgegen gefahren sein. Sie sollen dabei die aufgrund dieser Situation bestehende und zuvor erkundete hilflose Situation und die Arglosigkeit des Opfers ausgenutzt haben, um diesen ohne jede Gegenwehr öffentlich hinzurichten.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte Florjan F. das Motorrad fuhr, dieses auf Höhe des Opfers stoppte bzw. die Geschwindigkeit drosselte und der Angeklagte Paulin P. daraufhin mit einer wenige Tage zuvor zu diesem Zweck in Hannnover-Misburg erworbenen halbautomatischen Kurzwaffe mit Schalldämpfer aus einer Entfernung von maximal einem Meter 12 Schüsse auf Kutjim P. abgab. Dieser habe nicht mit einem Angriff gerechnet und sich deshalb nicht schützen können und sei im Kopfbereich durch zwei Einschüsse so stark verletzt worden, dass er am 13. Januar 2017 verstorben sei.

Hintergrund dieser Tat soll laut Anklage sein, dass der Getötete am 30. Dezember 2011 in einer Notwehr nahen Situation in Albanien ein Familienmitglied der Angeklagten getötet haben soll. Für diese Tat sei er in Albanien wegen vorsätzlichen Mordes zu einer Freiheitsstrafe von 8 Jahren verurteilt und nach teilweiser Verbüßung der Haft am 30. Dezember 2016 wegen guter Führung vorzeitig entlassen worden.

Die Familie der Angeklagten, die sehr in den patriarchalischen Strukturen und den Regeln des insbesondere in den ländlichen Regionen Nordalbaniens noch geltenden Kanuns verwurzelt sei, habe Blutrache geschworen und drei Leben der Familie Kutjim P. zur Wiederherstellung ihrer Familienehre gefordert.

Der ursprüngliche Kanun, von dem inzwischen Variationen existierten, baue im Wesentlichen auf dem Gedanken der Familienehre auf und sehe zur Wiederherstellung der Familienehre der Familie des Getöteten bei Scheitern von Versöhnungszeremonien vor, dass bei einer vorsätzlichen Tötung der Täter „ins Blut falle", d.h. der Täter oder ein männlicher Angehöriger des Täters nach dem Grundsatz „Auge um Auge, Blut um Blut" auf offener Straße erschossen werde und der Täter nach der Tat die Familie des Getöteten informiere, um zu signalisieren, dass das Blut nun wieder hergestellt worden sei. Es gehöre ferner zu dem Ehrenkodex, dass die ganze Sippe des Täters bis zur Ausübung der Blutrache isoliert lebe und auch die Kinder die Schule nicht besuchen dürften.

Aufgrund dieser Regeln habe auch die Familie des Kutjim P. strikt unter Hausarrest gelebt; mehrere Schlichtungsversuche mit der Familie der Angeklagten seien gescheitert, weil insbesondere der Familienzweig des Angeklagten Paulin P. diese abgelehnt habe.

Aufgrund der anhaltenden Bedrohungslage sei die Familie des Getöteten teils nach Schweden und teils nach Deutschland geflohen. In Deutschland sei dem Getöteten durch das Verwaltungsgericht Braunschweig wegen der aus Sicht des Gerichts tatsächlich zu erwartenden Blutrache subsidiärer Schutz gewährt worden.

Nach der Tötung sollen die Angeklagten nicht an dessen Beerdigung teilgenommen haben und auch seiner Familie keine Mitteilung gemacht haben, dass die Ehre wiederhergestellt sei, u.a. weil darüber hinaus zwei weitere Leben gefordert würden. Durch das Verwaltungsgericht Stade sei daher auch weiteren Angehörigen des Getöteten ein subsidiäres Schutzrecht zuerkannt worden, weil zu besorgen sei, dass die Blutrache noch nicht beendet sei.

Die Kammer hat zum ersten Verhandlungstermin einen Sachverständigen geladen und folgende Fortsetzungstermine, Beginn jeweils um 9:00 Uhr, anberaumt:

7. November 2017

16. November 2017

23. November 2017

7. Dezember 2017

11. Dezember 2017

14. Dezember 2017

19. Dezember 2017

21. Dezember 2017

4. Januar 2018

8. Januar 2018

15. Januar 2018

18. Januar 2018

25. Januar 2018

26. Januar 2018

19. Februar2018

22. Februar 2018.


Um 12:00 Uhr beginnt vor der 5. kleinen Strafkammer die Hauptverhandlung gegen Christa L. wegen Gefährdung des Straßenverkehrs. Die Berufung richtet sich gegen ein Urteil des Amtsgerichts Walsrode. Es werden sechs Zeugen erwartet.


Das Landgericht Verden weist darauf hin, dass in den Räumlichkeiten des Landgerichts grundsätzlich ein Fotografier- und Filmverbot besteht.

Ausnahmen werden grundsätzlich nur in der Form gestattet, dass Bilder und Filmaufnahmen von Angeklagten eines Strafprozesses in anonymisierter Form (gepixelt o.ä.) veröffentlicht werden dürfen. Es wird gebeten, entsprechende Anfragen rechtzeitig - spätestens einen Tag vor dem jeweiligen Verhandlungstermin - an die Pressestelle des Landgerichts zu richten.

Das Landgericht Verden weist weiter darauf hin, dass auch Bilder und Filmaufnahmen der anwesenden Wachtmeister zu anonymisieren sind.








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