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Geschichte

Das Landgerichtsgebäude


Die Stadt Verden hatte bei dem von ihr mitgetragenen Kampf um einen Landgerichtssitz zugesagt, dass sie alles tun werde, damit das neue Gericht mit seinen gegenüber denen des bisherigen Obergerichts gewachsenen Aufgaben uneingeschränkt arbeiten konnte. Man brauchte ein neues Gerichtsgebäude "an einem vor Marktlärm geschützten Ort". Besonders fehlte es an einem für Schwurgerichte geeigneten Verhandlungssaal. Sie waren vor allem für Mord und Totschlag zuständig. Bis zur Justizreform von 1924 bestanden sie aus 12 Geschworenen, die über schuldig oder nicht schuldig zu entscheiden hatten. Man brauchte daher viel Platz, auch für die Zuschauer, die mangels heutiger Medien bei den nicht so häufigen Verhandlungen gern dabei waren. Hinrichtungen fanden auf dem Hof des neben dem Landgericht befindlichen Gerichtsgefängnisses - jetzt Justizvollzugsanstalt - statt.

Bis zur Vollendung des Landgerichtsbaus stellte die Stadt Verden ab 1. Oktober 1879 den südlichen Teil der oberen Rathausetage, die früheren Räume des Amtsgerichts, zur Verfügung und mietete für die Schwurgerichtssitzungen den 1. Stock im Hotel Hannover (Große-Ecke Brückstraße). Der Neubau wurde ab 1882 begonnen und bis Ende 1883 fertiggestellt. Die Räumlichkeiten im Rathaus konnten am 1. Januar 1884 an die Stadt Verden zurückgegeben werden.

Dieser sogenannte Altbau ist als roter Backsteinbau im Stil der späten Gründerjahre errichtet. Er war nach seiner über den Fenstern der 1. Etage angeordneten Überschrift zunächst ein "Koenigliches Landgericht", über das links und rechts der Fassade preußische Adler wachten. In dem Gebäude befindet sich u. a. der aufwändig hergerichtete Schwurgerichtssaal, der größte und sehenswerte Sitzungssaal des Landgerichts, in dem eine Vielzahl von Verhandlungen in Strafsachen stattgefunden hat. Im übrigen beherbergt der Altbau die Strafabteilung und die Verwaltung.

Zum Landgericht gehört seit 1982 außerdem der sogenannte Erweiterungsbau:

Schon seit 1959 gab es Pläne und Aktivitäten, einen Erweiterungsbau zwischen dem alten Landgerichtsgebäude und dem alten Amtsgerichtsgebäude zu errichten, der die Staatsanwaltschaft aufnehmen und der die beiden Gebäude verbinden sollte. Darüber hinaus sollte, mit einer entsprechenden Umgestaltung des Landgerichts, ein gemeinsamer Eingang für Staatsanwaltschaft und Landgericht eingerichtet werden. Dieser Erweiterungsbau wurde dann in einer dreigeschossigen Stahlbetonskelettbauweise auf justizeigenem Grundstück im typischen Stil der 60‘iger Jahre errichtet, dort, wo sich ein Teil des früheren Stadtgrabens befand. Der Neubau sollte ursprünglich hinter einer noch vorhandenen Mauer errichtet werden, die auch noch aus der alten Stadtmauer bestand. Aus Kostengründen erhielt der Erweiterungsbau lediglich ein Flachdach, obwohl die Stadt Verden aus verständlichen architektonischen und Gründen des Stadtbildes sich die Ausbildung eines Sattel- oder Flachdachs wünschte. Diskussion gab es aber vor allem über die Verblendung der Außenfassade zum Johanniswall hin, bis man sich dann für die nach wie vor vorhandenen grün-gelb-grauen Spaltriemchen entschied. 1962 ergriff zunächst das Landgericht für kurze Zeit Besitz von dem Gebäude, bis die im Altbau erforderlichen Umbauarbeiten abgeschlossen waren, dann zog die Staatsanwaltschaft ein. Nachdem das alte Amtsgericht abgerissen und nachdem bis 1982 der Neubau für Amtsgericht und Staatsanwaltschaft fertiggestellt worden war, konnte das Landgericht die dort vorhandenen Räumlichkeiten im Erweiterungsbau nutzen, vornehmlich für Richterinnen und Richter sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Zivilabteilung.

Die vor dem Hintergrund der 1000- jährigen Domweih 1985 von der Stadt Verden erwartete Umgestaltung des Flachdachs konnte aus Kostengründen nicht realisiert werden.

Zwischen Altbau und Erweiterungsbau befindet sich der mit diesem neu erstellte Eingangsbereich, an dessen Rückfront bis 1964 ein Wandschmuck hergestellt worden ist. Dieser Wandschmuck sollte von der Idee her eine "zeitlose und allgemein verständliche" kartografische Darstellung des Landgerichtsbezirks mit den Sitzen der Amtsgerichte beinhalten. Er wurde geschaffen nach dem Entwurf von Prof. Wilhelm Tegtmeier aus Nethen bei Oldenburg unter Mitarbeit des Mosaiklegers Georg Schömder aus Delmenhorst. Der Wandschmuck besteht überwiegend aus 5 mal 5 cm großen Keramikmosaiken. Die rechte Bildseite nimmt der Verdener Dom ein, die linke die Gerichtslinde mit dem alten Richterstuhl. Unter ihr symbolisieren kleine Rosetten die Gerichtsurteile. Der Raum dazwischen ist ausgefüllt mit der Landkarte des Landgerichtsbezirks und des Weser-Aller-Raums, in dem die Stadt Verden durch ein schwarzes Nagelkreuz gekennzeichnet ist. Als Unterthemen sind die Marsch, das Moor, die Heide und die Geest in den Bildraum hineinkomponiert, kennzeichnend für den großen Bereich, den der Landgerichtsbezirk Verden umfasst.

"Königliches Landgericht Verden" - Handkolorierte Fotografie von 1901

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