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Geschichte

Die Landgerichtspräsidenten


Hieronymus v. der Decken 1879-1892  
Hieronymus v. der Decken 1879 - 1892
Das neue Amt des Verdener Landgerichtspräsidenten wurde vom preußischen Justizministerium in Berlin nacheinander mehreren Richtern angeboten, die aber alle abwinkten. Erster Präsident des ab 1. Oktober 1879 bestehenden zunächst "Königlichen Landgerichts" wurde schließlich der aus einer welfisch eingestellten niedersächsischen Adelsfamilie stammende Hieronymus v. der Decken. Er wurde 1827 in Stade geboren und amtierte bis 1892. Hieronymus v. der Decken war ab 1856 Richter am Celler Oberappellationsgericht und ab 1. Oktober 1879 am (neuen) dortigen Oberlandesgericht.

Schon damals praktizierte die preußische Justiz, dass niemand an seiner letzten Dienststelle Chef werden konnte. Hiervon wurde nur bei Hermann Lindemann (dem sechsten Präsidenten, 1938 bis 1945) abgewichen.

Carl Schrader 1892-1911  
Carl Schrader 1892 - 1911
Von 1892 bis 1911 führte die Geschäfte des Landgerichts Landgerichtspräsident Carl Schrader. Er wurde 1840 in Lippstadt in Westfalen als Sohn eines Kreisgerichtsrates geboren. 1866 trat er als Assessor in den preußischen Justizdienst ein. Er wurde Kreisrichter in Plettenberg und Dortmund, dann Kreisgerichtsrat – das war damals ein Beförderungsposten – wieder in Plettenberg.Mit dem Inkrafttreten der neuen Gerichtsorganisation am 1. Oktober 1879 wurde Schrader Landgerichtsrat in Dortmund und 1883 Landgerichtsdirektor in Duisburg. Er wurde – wie die Mehrzahl der Amtskollegen seines Ranges damals – mit dem Roten Adler Orden erst der vierten und dann der dritten Klasse ausgezeichnet und – als er schon lange Verdener Landgerichtspräsident war – 1910 mit dem ebenfalls preußischen Kronorden zweiter Klasse. In dem Verleihungsantrag des Celler Oberlandesgerichtspräsidenten heißt es dazu: "Der LGPräs Ge. Oberjustizrat Schrader ist ein vortrefflicher Richter, ein Verwaltungsbeamter von seltener Begabung, ein Mann von musterhafter Pflichttreue, vornehmer und vaterländischer Gesinnung. Er hat eine lange ehrenvolle und völlig tadelfreie Laufbahn hinter sich, hat in allen Stellungen Vorzügliches geleistet, sich als charaktervoll, wohlwollend fest und zuverlässig erwiesen, er genießt ein hohes Ansehen und allgemeine Verehrung. […] Herr Schrader ist von den Präsidenten des Bezirks unbedingt der Tüchtigste. Er überragt seine Berufskollegen bedeutend…"

Da die Betroffenen und Genannten damals ihre dienstlichen Beurteilungen allenfalls unter der Hand zur Kenntnis bekamen, wurden, wenn Anlass dazu bestand, auch wenig schmeichelhafte Bemerkungen in den Personalakten zeitlebens festgehalten.

Das Jahresgehalt des Präsidenten Schrader wurde übrigens im Oktober 1901 auf 10.200 Mark festgesetzt.

Arthur Westrum 1911-1923  
Arthur Westrum 1911 - 1923
Ihm folgte von 1911 bis 1923 Landgerichtspräsident Westrum. Arthur Westrum wurde 1855 im Kreis Peine als Sohn eines Pastoren geboren. Vor seiner Berufung nach Verden war er Landgerichtsrat und anschließend Oberlandesgerichtsrat in Cassel (Kassel). Im Ersten Weltkrieg erhielt Westrum den Titel "Geheimer Oberjustizrat mit dem Range der Räte zweiter Klasse". Er verstarb 1922 während seiner Amtszeit.
Canenbley 1923 - 1933  
August Canenbley 1923 - 1933
Vom 9. Juli 1923 bis 1. Oktober 1933 war August Canenbley vierter Präsident des Landgerichts. Er wurde als bisher einziger 1868 in Verden geboren und machte sein Abitur am Verdener Domgymnasium. Sein Vater war als Kaufmann nach Verden gezogen. Vorher war Canenbley als Landgerichtsdirektor in Hildesheim tätig. Nach seiner Pensionierung am 1. Oktober 1933 blieb er – eine Ausnahme in Verden – in seiner Wohnung in der Ritterstraße wohnen. Er verstarb 1941 und wurde auf dem Verdener Domfriedhof beerdigt; sein Grab ist bis heute erhalten. Seine Familie spielt bis heute in Verden und Umgebung eine herausragende Rolle. August Canenbley war hier, wie Zeitzeugen berichten, außerordentlich angesehen und beliebt, auch weil er die örtlichen Verhältnisse besonders gut kannte. Dementsprechend überdurchschnittlich waren auch seine dienstlichen Beurteilungen.
Dr. Genzen 1933 - 1937
Dr. Gentzen 1933 - 1937
Der fünfte Verdener Landgerichtspräsident von 1933 bis 1937, Dr. Gentzen, geboren 1876 in Breslau, war bis zum Ende des Ersten Weltkrieges 1918 Amtsrichter in der preußischen Provinzhauptstadt Posen. Dr. Gentzen, Mitglied der NSDAP seit dem 1. Februar 1932, war unter anderem auch Vorsitzender des Gaugerichts Südhannover-Braunschweig. Bis 1923 war er Mitglied der rechtsliberalen Deutschen Volkspartei gewesen. Er kam als Amtsgerichtsrat vom Amtsgericht Hannover und ging 1937 vorzeitig in den Ruhestand, um hauptamtlich im Parteigericht der NSDAP tätig zu sein.
Hermann Lindemann 1938-1945  
Hermann Lindemann 1938 - 1945
Hermann Lindemann, geboren 1880, der sechste Präsident von 1938 bis 1945, bekam seine erste Planstelle im westpreußischen Kreis Flatow, der damals zum Bezirk des Oberlandesgerichts Marienwerder gehörte. Lindemann hatte ab 1914 als Soldat am ersten Weltkrieg teilgenommen. Er wurde verwundet und sodann bei der deutschen Militärverwaltung im besetzten südlichen Litauen eingesetzt. In diesem "multikulturellen" Gebiet bedankten sich dortige jüdische Gemeinden in Schreiben an Lindemann, dass sie unter deutscher Besetzung zum ersten Mal in Frieden leben konnten, ohne von den anderen Volksgruppen (Weißrussen, Polen, Litauern) ständig bedrängt zu werden.

Nach dem Wirksamwerden des Versailler Vertrages am 10. Januar 1919 übergab Lindemann das Amtsgericht Vandsburg an die neue polnische Staatsgewalt. Auch sein Vorgänger Dr. Gentzen wurde wegen seiner Verdienste bei der Übergabe der deutschen Gerichtsbarkeit an das neue Polen vom preußischen Justizministerium durch die Justizabwicklungskommission für Posen belobigt.

Danach war er Amtsrichter in Bassum und wurde 1924 als Landgerichtsdirektor beim Landgericht Verden ernannt. Er führte hier den "Stahlhelm" und bekleidete später in der SA den Rang eines Sturmbannführers. Wohl auch die Fürsprache des damaligen Gauleiters Telschow bewirkte, dass Lindemann, anders als es der damaligen Tradition entsprach, an seinem Gericht zum Behördenleiter berufen wurde. Im Zweiten Weltkrieg war er auch Bürgermeister von Verden. Deswegen wurde er nach dem Kriegsende 1945 nicht wieder in den Justizdienst übernommen. Unter anderem in einem Nachruf in der Verdener Aller-Zeitung vom 11. August 1952 ist nachzulesen, dass gerade dieser hohe Rang, den er in der SA bekleidete (entsprach bei der Wehrmacht dem Rang eines Majors), ihm ermöglicht habe, das Landgericht durch die schwierigen Zeiten des Nationalsozialismus hindurchzusteuern.

In der Zeit von 1945 bis 1946 führte der in Helmstedt geborene Landgerichtsdirektor Lindenberg auf Weisung der britischen Militärregierung die Geschäfte des Präsidenten. Er trat hiervon 1946 zurück. Erich Lindenberg war seit 1926 Landgerichtsdirektor in Verden. 1942 war er unter dem Präsidenten Lindemann dessen Stellvertreter geworden. Er blieb es über das Kriegende hinaus. Der nach dem Zweiten Weltkrieg neugebildete Personalausschuss für das Oberlandesgericht und das Amtsgericht Celle erhob keine Gegenvorstellungen.

Die Personalpolitik im Bezirk des Oberlandesgerichts Celle wurde maßgeblich durch den ersten Nachkriegs-Oberlandesgerichtspräsidenten Dr. Frhr. von Hodenberg bestimmt. Er hatte gute Beziehungen zur britischen Monarchie. Als Nachfolger des von 1932 bis 1945 amtierenden Oberlandesgerichtspräsidenten von Garßen kannte der bis dahin als Rechtsanwalt Tätige die nordwestdeutsche Justiz und ihre Bediensteten recht gut. Deswegen war es zum Beispiel möglich, dass Lindenberg als Vize die Landgerichtsgeschäfte weiterführte. Die bloße Mitgliedschaft in der NSDAP nach 1933 als Verdener Richter reichte – soweit ersichtlich – unter Frhr. von Hodenberg nicht zu irgendwelchen Maßnahmen aus.

Hagemann 1945-1948  
Hagemann 1945 - 1948
Als siebter Präsident des Landgerichts übernahm nach dem Zweiten Weltkrieg Landgerichtspräsident Hagemann die Geschäfte, der früher Rechtsanwalt gewesen und als Landeshauptmann in Hannover 1939 wohl auch aus politischen Motiven entlassen worden war. Bei Hagemann konnte darauf hingewiesen werden, dass er weder der NSDAP noch einer ihrer Gliederungen angehört hatte, wohl aber einer Reihe von deren Hilfsorganisationen. Auch hier hatte Frhr. von Hodenberg die Personalpolitik fest in der Hand und setzte sich mit seinen Vorstellungen durch.
v. Nordheim 1948-1956  
von Nordheim 1949 - 1956
Nach Hagemann führte seit dem 1. Juni 1949 Landgerichtspräsident von Nordheim die Geschäfte. Von Nordheim, aus einer alten Adelsfamilie stammend, kümmerte sich besonders um diejenigen, die mit ihren Angehörigen unter den Folgen des Zweiten Weltkrieges zu leiden hatten, zum Beispiel um die Frauen gefallener Richter. Er förderte das gesellschaftliche Leben in der Verdener Justiz und galt im positiven Sinne als Original. Über ihn werden bis heute Anekdoten erzählt.

In seine Amtszeit fiel das Schwurgerichtsverfahren gegen den 1929 in Düsseldorf geborenen Erich von Halasz. Es war der sensationellste Prozess, der beim Landgericht Verden in seiner langen Geschichte bis heute anhängig war. Von Halasz hatte an zwei Fabrikanten und einen Zeitungsredakteur mit Erpressungsabsicht von ihm selbst gefertigte Sprengstoffpakete geschickt. Zwei der Empfänger wurden getötet. Im Fall des Verdener Fabrikanten Höing hatte man Verdacht geschöpft, so dass eine Explosion verhindert werden konnte.

Aufgrund der Anklageschrift des Oberstaatsanwaltes in Verden vom 28. Februar 1952 verurteilte das Schwurgericht Verden – es bestand bis 1972 aus drei Berufsrichtern und sechs Geschworenen – den Angeklagten im April 1952 wegen Mordes und Sprengstoffverbrechens zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe, die 1972 durch eine Gnadenentscheidung in eine Freiheitsstrafe von 30 Jahren umgewandelt wurde.Über diesen Prozess und die vielen persönlichen und menschlichen Hintergründe wurde seinerzeit weltweit in der Presse ausführlich berichtet, gilt doch von Halasz als "Erfinder" der Briefbombe. Der Fall regte bundesweit die Diskussion um die Wiedereinführung der Todesstrafe an, die das Grundgesetz 1949 (in Art. 102) abgeschafft hatte.

Dr. Kregel 1956 - 1965
Dr. Wilhelm Kregel 1956 - 1966
Ab dem 1. Juli 1956 stand Landgerichtspräsident Dr. Kregel dem Verdener Landgericht vor. Dr. Wilhelm Kregel wurde am 20. Februar 1909 in Rümelingen im Süden des mit dem damaligen Deutschen Reich durch eine Zollunion verbundenen Luxemburg geboren. Sein Vater stammte aus Morsum und war als Einzelhandelskaufmann in das damals deutsche Lothringen gegangen. Im Ersten Weltkrieg übernahm die Mutter die Leitung des Geschäftes, als ihr Mann Soldat war. Als sie 1918 verstarb, wurde der einzige Sohn von Verdener Verwandten betreut und wohnte bei den Großeltern in der Großen Wallstraße. Die Kregels behielten nach dem Abstammungsprinzip die deutsche Staatsangehörigkeit.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bekam Dr. Kregel wegen seiner luxemburgischen "Vergangenheit" das Angebot, das kleine Land, das einen großen Mangel an den dafür nötigen Führungspersönlichkeiten hatte, in internationalen Gremien zu vertreten. Dr. Kregel nahm die Angebote aber nicht an, sondern entschloss sich zur Fortsetzung seiner Richterlaufbahn.

Wilhelm Kregel war von 1970 bis 1974 Präsident des Deutschen Sportbundes und von 1964 bis 1978 Präsident des Deutschen Turnerbundes. Er wirkte im Nationalen Olympischen Komitee für Deutschland und in der Deutschen Olympischen Gesellschaft mit. Der kinderlos verheiratete Kregel wohnte bis zuletzt in seinem Haus am Burgberg und ist auf dem Verdener Johannisfriedhof beerdigt.

Dr. Kramer 1966 - 1972
Dr. Jan Kramer 1966 -1972
Nachfolger Dr. Kregels wurde ab dem 1. April 1966 der im südlichen Kreis Leer geborene Dr. Jan Kramer. Er stammt aus einer alteingesessenen ostfriesischen Handwerkerfamilie. Vor seiner Berufung nach Verden war er Landgerichtsdirektor in Oldenburg.
Dr. Stalljohann 1972 - 1974
Dr. Stalljohann 1972 - 1974
Ihm folgte ab dem 14. August 1972 Dr. Stalljohann; dieser wurde 1974 Präsident des Oberlandesgerichts in Oldenburg.
Heinrich Beckmann  
Heinrich Beckmann 1974 - 1997
Am 15. Mai 1974 wurde Heinrich Beckmann zum Landgerichtspräsidenten ernannt, der die Geschäfte über zwei Jahrzehnte bis 1997 führte. Heinrich Beckmann war früher Richter am Oberlandesgericht Oldenburg gewesen und bis zu seiner Ernennung Ministerialrat im Niedersächsischen Justizministerium.
Wolfgang Arenhoevel 1997 - 1999
Wolfgang Arenhoevel 1997 - 1999
Ihm folgte am 20. März 1997 Wolfgang Arenhövel. Ab 1999 war er Präsident des Landgerichts Osnabrück. Im November 2005 wurde Arenhövel in das Amt des Präsidenten des Hanseatischen Oberlandesgerichts in Bremen eingeführt.

Seit dem 29. September 1999 ist Dr. Rüdiger Lengtat Präsident des Landgerichts Verden. Er war früher Richter am Landgericht Stade und am Oberlandesgericht Celle.

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